Datenbank beim Hyperscaler oder Managed PostgreSQL in der Private Cloud

Wenn deine Anwendung eine produktive PostgreSQL-Datenbank braucht, steht eine grundsätzliche Wahl an: den verwalteten Dienst eines Hyperscalers nutzen, selbst betreiben oder den Betrieb an einen Spezialisten abgeben. Jeder Weg hat andere Folgen für Datenhoheit, Anbieterbindung und Gesamtkosten.

Dieser Vergleich behandelt fünf Optionen, die Schweizer Organisationen heute offenstehen.

Vergleich auf einen Blick

AWS RDS Google Cloud SQL Aiven Eigenbetrieb VSHN Managed
Datenstandort EU (Frankfurt, Zürich) EU (Zürich) EU (verschiedene) nach deiner Wahl nach deiner Wahl (Schweizer Cloud oder eigenes Rechenzentrum)
Zuständigkeit USA (CLOUD Act) USA (CLOUD Act) finnische Firma, US-Infrastruktur deine Zuständigkeit Schweizer Firma, Schweizer oder deine Infrastruktur
Datenhoheit eingeschränkt (US-Muttergesellschaft) eingeschränkt (US-Muttergesellschaft) EU-Firma, Daten auf US-Hyperscalern volle Kontrolle vollständig (Schweizer Betrieb, deine Infrastruktur)
Betriebsmodell vollständig von AWS verwaltet vollständig von Google verwaltet vollständig von Aiven verwaltet du verwaltest alles VSHN verwaltet, du kontrollierst die Infrastruktur
SLA 99,95% (Multi-AZ) 99,95% (mit HA; keines bei einer Zone) 99,99% keines (dein eigenes) bis 99,99%
Oracle-Kompatibilität nein nein nein über EDB in Eigenregie über EDB (VSHN ist offizieller Partner)
Quelloffen nutzt PostgreSQL, proprietäre Plattform nutzt PostgreSQL, proprietäre Plattform nutzt PostgreSQL, proprietäre Plattform vollständig quelloffen vollständig quelloffen (CloudNativePG)
Anbieterbindung hoch (AWS-Ökosystem) hoch (GCP-Ökosystem) mittel (Multi-Cloud, aber proprietäre Schicht) keine keine (läuft auf jeder Infrastruktur)
Einstiegspreis ca. USD 135 pro Monat (db.t3.medium, Multi-AZ, Zürich) ca. USD 130 pro Monat (1 vCPU, 3,75 GB, regionale HA, Zürich) USD 180 pro Monat (Business-Plan) USD 0 (Software) plus Betriebsteam CHF 80 pro Monat (einzeln), CHF 480 pro Monat (HA mit SLA)

Die Preise der Cloud-Anbieter sind On-Demand-Listenpreise in USD für die genannte Konfiguration und Region, abgelesen am 15. September 2026 in den Preislisten der Anbieter. Speicher, Backups und Datentransfer kommen dazu, ausser dem Speicher, der in einem Aiven-Plan enthalten ist.

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AWS RDS für PostgreSQL

Amazon RDS ist der Marktführer bei verwaltetem PostgreSQL. Der Dienst übernimmt Bereitstellung, Patching, Backups und Failover innerhalb des AWS-Ökosystems.

Stärken:

  • Ausgereifter Dienst mit breitem Funktionsumfang (Read Replicas, Performance Insights, automatisierte Backups)
  • Region Zürich (eu-central-2) seit 2022 verfügbar
  • Enge Verzahnung mit AWS-Diensten (Lambda, IAM, CloudWatch)
  • Automatisierte Minor-Version-Upgrades

Grenzen:

  • Es gilt US-Recht. Amazon ist ein US-Unternehmen und untersteht dem CLOUD Act. Auch mit einer Region in Zürich können US-Behörden Zugriff auf die Daten erzwingen, ohne Schweizer Gerichtsverfahren.
  • Keine Schweizer Cloud, kein eigenes Rechenzentrum. AWS RDS läuft ausschliesslich auf AWS-Infrastruktur, also nicht auf Cloudscale, Exoscale oder bei dir.
  • Starke Bindung an AWS: IAM-Rollen, VPC-Networking und Monitoring sind AWS-spezifisch
  • Keine EDB-Werkzeuge für Unternehmen und keine Oracle-Kompatibilität
  • Der Preis skaliert getrennt über Rechenleistung, Speicher, IOPS und Backups, was die Kosten schwer vorhersehbar macht

Passt für: Teams, die ohnehin auf AWS gesetzt haben und die Abwägung zum US-Recht bewusst annehmen.

Unsere Souveränitätsbewertung für PostgreSQL vergleicht das rechtliche Risiko im Detail.

Google Cloud SQL für PostgreSQL

Cloud SQL ist der verwaltete Dienst für relationale Datenbanken von Google. Die Region Zürich (europe-west6) hält Rechenleistung und Speicher in der Schweiz.

Stärken:

  • Region Zürich, mit geringer Latenz aus Schweizer Infrastruktur
  • Automatisierte Backups, Point-in-Time Recovery und Hochverfügbarkeit
  • Verzahnung mit IAM und VPC von Google Cloud
  • Konkurrenzfähiger Preis für kleinere Instanzen

Grenzen:

  • Dieselbe Frage des US-Rechts wie bei AWS. Google untersteht dem CLOUD Act, unabhängig davon, wo die Daten liegen.
  • Keine Schweizer Cloud, kein eigenes Rechenzentrum. Cloud SQL läuft ausschliesslich auf Google-Infrastruktur, also nicht auf Cloudscale, Exoscale oder bei dir.
  • Bindung an GCP: Networking, Identität und Monitoring sind GCP-spezifisch
  • Keine Oracle-Kompatibilität und keine EDB-Werkzeuge
  • Wechsel der Hauptversion verlangen Ausfallzeit oder eine manuelle Migration
  • Maximal 64 TB Speicher, aber die IOPS hängen an der Plattengrösse, was das Performance-Tuning einschränkt

Passt für: Teams, die in Google Cloud investiert sind und eine Datenbank in Zürich brauchen.

Unsere Souveränitätsbewertung für PostgreSQL vergleicht das rechtliche Risiko im Detail.

Aiven für PostgreSQL

Aiven ist ein finnisches Unternehmen und bietet verwaltete Datenbanken über mehrere Clouds an. PostgreSQL läuft dabei auf Infrastruktur von AWS, GCP oder Azure in der Region deiner Wahl.

Stärken:

  • Firmensitz in der EU (Helsinki)
  • Multi-Cloud: Betrieb auf AWS, GCP oder Azure ohne Anbieterwechsel
  • Terraform-Provider für Infrastructure as Code
  • Gute Entwicklererfahrung, mit CLI-Werkzeugen und Integrationen

Grenzen:

  • Keine Option auf Infrastruktur in Schweizer Besitz. Aiven läuft auch in EU-Regionen auf US-Hyperscalern, die Berührung mit dem CLOUD Act bleibt also bestehen.
  • Keine eigene Schweizer Region (am nächsten liegen üblicherweise Frankfurt oder Zürich beim darunterliegenden Hyperscaler)
  • Keine Oracle-Kompatibilität und keine EDB-Partnerschaft
  • Höherer Einstiegspreis als die Angebote der Hyperscaler direkt

Passt für: Multi-Cloud-Teams, die einen einzigen Datenbankanbieter über AWS, GCP und Azure hinweg wollen.

PostgreSQL im Eigenbetrieb

PostgreSQL auf eigenen VMs oder Kubernetes-Clustern zu betreiben gibt dir vollständige Kontrolle über jeden Aspekt der Datenbank.

Stärken:

  • Volle Kontrolle über Datenstandort, Version, Konfiguration und Zugriff
  • Keine Gebühren pro Dienst, nur Infrastrukturkosten
  • Läuft bei jedem Anbieter, auch bei Schweizer Clouds (Cloudscale, Exoscale)
  • Voller Zugriff auf EDB-Werkzeuge, sofern du eine eigene EDB-Lizenz hältst

Grenzen:

  • Die Betriebslast ist erheblich. Produktives PostgreSQL verlangt:
  • Monitoring und Incident Response rund um die Uhr
  • Automatisierte Backups mit regelmässigen Wiederherstellungstests
  • Aufbau der Replikation und geübtes Failover
  • Sicherheitspatches, dringende Zero-Day-Korrekturen eingeschlossen
  • Wechsel der Hauptversion mit gründlichen Tests
  • Connection Pooling, Vacuum-Tuning und Performance-Betreuung
  • Ein eigener PostgreSQL-DBA ist ein volles Salär, und eine einzelne Person deckt keinen Betrieb rund um die Uhr ab
  • Kleinere Teams schieben Upgrades auf und lassen Wiederherstellungstests aus, und beides erzeugt ein Risiko, das erst im Störungsfall sichtbar wird
  • Hochverfügbarkeit mit automatischem Failover (Patroni, repmgr oder CloudNativePG) verlangt gründliche Kenntnis von PostgreSQL und der Infrastruktur

Passt für: Grosse Organisationen mit eigenem Datenbankteam und besonderen Anpassungswünschen.

VSHN Managed PostgreSQL (EDB-Partner)

VSHN betreibt deine PostgreSQL-Instanz auf der Infrastruktur deiner Wahl, in der Schweizer Cloud oder in deinem Rechenzentrum. Als offizieller EDB-Partner verschafft VSHN Zugang zu den EDB-Werkzeugen für Unternehmen, samt der Schicht für Oracle-Kompatibilität.

Stärken:

  • Schweizer Firma, Schweizer Zuständigkeit: VSHN hat den Sitz in Zürich. Über die Betriebsschicht besteht keine Berührung mit dem CLOUD Act.
  • Deine Infrastruktur, deine Wahl: Cloudscale, Exoscale oder dein eigenes Rechenzentrum
  • Offizieller EDB-Partner: Zugang zu EDB Postgres Advanced Server, Oracle-Kompatibilität und den Migrationswerkzeugen von EDB
  • Automatisierte Backups mit einstellbarem Zeitplan und einstellbarer Aufbewahrung (Standard: täglich, sechs Stände)
  • CloudNativePG-Operator für Hochverfügbarkeit nativ in Kubernetes
  • SLA bis 99,99 Prozent, mit Gutschriften bei Unterschreitung
  • Nach ISO 27001 zertifizierter Betrieb seit 2017
  • Selbstbedienung über die Kubernetes-API oder über Servala

Preise:

Plan Einzelinstanz Repliziert (HA)
Baseline CHF 80 pro Monat CHF 160 pro Monat (2 Replicas)
99.99% - 24/7 nicht angeboten CHF 480 pro Monat (2 Replicas)

Die Beträge decken den Datenbankdienst ab. Rechenleistung, Arbeitsspeicher und Speicherplatz kommen dazu: standardmässig beschafft VSHN sie, dann deckt eine Rechnung beides ab. Behältst du dein eigenes Cloud-Abo, verrechnet sie dir der Anbieter. Support läuft über die Supportpläne von VSHN.

Passt für: Schweizer Organisationen, die Datenhoheit brauchen, von Oracle migrieren oder produktives PostgreSQL wollen, ohne ein eigenes Datenbankteam aufzubauen.

Die Frage der Souveränität

Für Schweizer Unternehmen in regulierten Branchen (Banken, Versicherungen, Pharma, Verwaltung) ist die rechtliche Zuständigkeit über die Daten keine Vorliebe, sondern eine Auflage. So stehen die Optionen bei der Souveränität zueinander:

Dimension AWS RDS und Cloud SQL Aiven Eigenbetrieb VSHN Managed
Zuständigkeit der Betreiberfirma USA Finnland (EU) deine Schweiz
Zuständigkeit der Infrastruktur USA (auch in der Region Zürich) USA (Hyperscaler) nach deiner Wahl nach deiner Wahl
Berührung mit dem CLOUD Act ja ja (über den Hyperscaler) hängt vom Anbieter ab nein (Schweizer Betrieb, Option Schweizer Cloud)
FINMA-tauglich verlangt zusätzliche Kontrollen verlangt zusätzliche Kontrollen hängt von der Umsetzung ab ja, mit Schweizer Cloud-Infrastruktur

VSHN zusammen mit einem Schweizer Cloud-Anbieter (Cloudscale oder Exoscale) schliesst die US-Zuständigkeit vollständig aus. Betreiberfirma und Infrastrukturanbieter sind beide schweizerisch.

Die ausführliche Analyse steht in unserer Souveränitätsbewertung für PostgreSQL.

Wann VSHN passt

VSHN Managed PostgreSQL passt, wenn:

  • Deine Daten unter Schweizer Zuständigkeit bleiben müssen, nicht nur in einem Schweizer Rechenzentrum in US-Besitz liegen
  • Du von Oracle migrierst und die EDB-Werkzeuge samt Migrationserfahrung brauchst
  • Du PostgreSQL in deinem bestehenden Cloud-Tenant willst, betrieben von Spezialisten statt von deinem Entwicklungsteam
  • Dein Team zu klein für Datenbankbetrieb rund um die Uhr und zugleich zu stark reguliert für ein SaaS in US-Besitz ist
  • Du planbare Monatskosten willst statt einer Abrechnung pro IOPS, die auf der Rechnung überrascht

Nächste Schritte

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